Ein Quintett, das offene Formen, dichte Farben und kollektive Dramaturgie schärft. JAZZ | Die Musik des Quintetts lebt von Mehrdeutigkeit, beweglichen Formen und einem Kollektiv, das Komposition nicht als starres Gerüst behandelt. Tenorsaxophon, Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug schaffen einen dichten Rundum-Sound, der freie Improvisation und notiertes Material in eine flexible Dramaturgie bringt. Mit «Ghost Cat», dem fünften Album auf Intakt Records, markierte die Band ihr 10-jähriges Bestehen; «Human Intelligence» dokumentiert die aktuelle Live-Energie.
Besetzung: Christoph Irniger — Tenorsaxophon Stefan Aeby — Klavier Dave Gisler — Gitarre Raffaele Bossard — Bass Michael Stulz — Schlagzeug
Christoph Irniger Pilgrim ist über Jahre zu einem der profilierten Schweizer Ensembles des europäischen Gegenwartsjazz geworden. Die Band arbeitet mit notierten Passagen, freier Improvisation und offenen Zonen, in denen Entscheidungen spontan fallen. Das ist keine Unschärfe, sondern Methode: Mehrdeutigkeit wird zum Werkzeug, Form bleibt beweglich, der Klang kann sich jederzeit verschieben. Zum 10-jährigen Bestehen erschien mit «Ghost Cat» das fünfte Album des Quintetts auf Intakt Records. Die Musik bündelt, was diese Formation auszeichnet: rätselhafte Selbstreflexion, eruptive Energie, dichte Texturen und ein Sound, der sich keiner einfachen Kategorie fügt. Im Zentrum steht ein eingespieltes Kollektiv. Das Tenorsaxophon setzt Linien, sucht Reibung, verdichtet Themen. Das Klavier bringt harmonische Räume und klare Akzente, die Gitarre rauere Farben und elektrische Spannung. Bass und Schlagzeug halten die Musik beweglich, ohne sie festzuzurren. So entstehen Stücke, die nicht einfach von Thema zu Solo zu Thema führen, sondern eine eigene Dramaturgie entwickeln: Umwege, Verdichtungen, plötzliche Ausbrüche, ruhige Passagen mit Nachdruck. Auch «Human Intelligence», die jüngere Liveaufnahme auf Intakt Records, zeigt diese Arbeitsweise im Konzertmoment. Was auf Tonträgern als fein ausbalancierte Architektur hörbar wird, erhält auf der Bühne eine andere Schärfe. Die Musiker reagieren hellwach aufeinander, lassen Räume stehen und treiben die Musik wieder an, wenn sie zu kippen beginnt. Für ein Publikum liegt genau darin der Reiz: Pilgrim spielt keine polierte Version seiner Alben, sondern verhandelt die Stücke im Raum neu.
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