Delcy Morelos (*1967 in Tierralta, Kolumbien) verwandelt die Lokremise in einen Ort, den man nicht nur betrachtet, sondern mit allen Sinnen erlebt. Sie schafft eine raumgreifende, vergängliche Installation aus recycelter Erde, gebrauchtem Holz und Duftessenz. Mit wenigen Materialien und einer nahezu schwarzen, monochromen Farbigkeit entsteht ein intensives Environment, in dem Sehen, Riechen und Bewegen zu gleichwertigen Formen der Wahrnehmung zusammenwirken.
Morelos’ Praxis ist auf Material, Raum und Präsenz fokussiert. Aus einer Weltanschauung der Andenregion heraus und im Dialog mit Minimal Art und Konzeptkunst entwickelt sie eine eigenständige Sprache zwischen Zeichnung, Malerei, Skulptur und Installation. Naturmaterialien sind dabei Träger von Zeit, Prozess und Vergänglichkeit.
Im Zentrum der Ausstellung entfaltet sich ein weitläufiges Feld aus Erdhügeln und bemalten Holzlatten: gestapelt, geschichtet, lose gehäuft – wie Ackerland, Topografie oder archäologische Spuren. Wände und Säulen sind mit Erdschichten überzogen; schmale Wege führen durch eine verdichtete Atmosphäre, in der Naturverbundenheit, indigene Spiritualität und koloniales Erbe ineinandergreifen. So wird unser entfremdetes Verhältnis zur Natur sinnlich erfahrbar – still, konzentriert und letztlich politisch.
21. März bis 12. Juli 2026 Vernissage und Kunstgespräch: 21. März 2026 ab 13 Uhr
Kinok – Cinema in der Lokremise, 9000 St. Gallen
Eintritt gratis