Ein Neffe sitzt am Sterbebett seines Onkels, der trotz täglicher Erwartung seines Endes voller Lebenskraft ist. Die Szenerie zwischen Klinik, Hospiz oder Erholungsheim bleibt unklar, ebenso die Abwesenheit von Patienten und Personal. Der Neffe erzählt dem Publikum, was er über seinen Onkel weiss, dessen phantastische Erlebnisse kaum zu glauben sind. Schliesslich kommt der Igel zu Wort.
Jens Nielsens "Seeigelsolo" thematisiert Demenz und Ich-Verlust auf eine neuartige Weise. Der sprachartistische Text bewegt sich auf einem performativen Seiltanz und folgt der Konsequenz, dass bei Verlust der Erzählfähigkeit nur ein fragmentarisches, nicht-lineares Erzählen möglich ist. Die "Gesprochene Prosa" ist schonungslos ehrlich, aber nicht düster, sondern traurig, schön, liebe- und humorvoll, existenziell und lebensbejahend. Jeder Satz bleibt ein Anfang und ein offenes Ende.
Das Stück wird auf der Kellerbühne St.Gallen aufgeführt.